Impuls November 2026
„Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Felde; wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da. Die Gnade aber des HERRN währt von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ (Psalm 103,15-16.17)
Liebe Mitglieder, liebe Freunde,
Bei der Vorbereitung zum Trauergottesdienst für Günter Zehmke habe ich bei seinem Sohn einige Fotos gesehen aus dem Leben seiner Eltern. Dabei waren auch Fotos aus den ganz jungen Jahren von Günter und seiner Frau Ingrid. Was für ein wahrhaft gutaussehendes Paar die beiden waren. Ich hätte ihn darauf niemals erkannt. Was für ein Unterschied! Ein Mann –wie man so sagt- in der Blüte seiner Jahre. Welch Unterschied zu dem Erscheinungsbild, das wir in den letzten Jahren gesehen haben bei ihm. Ja, so ist das, wenn man alt und älter und ganz alt wird. Das Leben hinterlässt Spuren. Wir altern, Fitness nimmt ab, Gesundheit nimmt ab, der Glanz der Jugend verschwindet. Wie beschreibt es der Psalm? „wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da.“ Das ist die Sache mit der Endlichkeit unseres Lebens, der wir nur ungern ins Auge schauen.
Interessanterweise gibt es an der Stelle einen thematischen Schwenk in dem Psalm: „Die Gnade aber des HERRN währt von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ Im Vergleich zu unserem mehr oder weniger in Blüte stehendem Leben überschaut die Gnade Gottes eine ganz andere Dimension, nämlich: „von Ewigkeit zu Ewigkeit“ Als wenn es mehrere Ewigkeiten“ geben würde….. Das will sagen: Gottes Gnade besteht IMMER! Im Sinne von immer-immer-immer-immer…. Diese Verstärkung der Aussage durch Verdopplung der Aussage steht da, damit bei uns nur ja kein Zweifel daran aufkommt, dass Gott das ernst meint mit seiner Zusage der Gnade. Denn das trifft bei uns einen schwachen Punkt. Wir haben an der Stelle nämlich ein Sammelsurium von eigenen schlechten Erfahrungen im Kopf.
Ein rechtmäßig verurteilter Straftäter kann in manchen Fällen ein Gnadengesuch richten an den Bundespräsidenten. Der Kann diesem Gnadengesuch stattgeben – oder aber es ablehnen.
Wie oft hast du erlebt, dass man nicht „gnädig“ mit dir umgegangen ist? Obwohl du es dir so sehr gewünscht hast, vielleicht sogar unter Tränen? Obwohl du deine Fehler bereut hast? Gnade hätte dich gerettet. Eine „zweite Chance“ hätte dir einen neuen, hoffnungsvollen Horizont eröffnet. Ein Neuanfang. Aber nix da – wir sind manchmal einfach gnadenlos miteinander.
Der Unterschied zwischen der Begnadigung durch den Bundespräsidenten und der Gnade Gottes beseht nun mal darin, dass Gottes Gnade wirklich bedingungslos (!) ist. Gott macht seine Gnade nicht von „guter Führung“ abhängig, sondern das Prinzip der Gnade Gottes besteht ganz im Ernst darin, dass sie bedingungslos ist. Gott gibt sie, weil er dich und mich liebt – und weil wir seine Gnade wirklich brauchen, damit unser Leben gelingen kann. In Ewigkeit.
Mit herzlichem Gruß
Euer Pastor Georg Schierling


